Berliner Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Rudower Straße 48, 12351 Berlin

Perspektiven der Kinderheilkunde in Berlin
10 Thesen aus der Sicht der Berliner Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Hartmut Siemes

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Teilnehmer der Arbeitsgruppe: 
Herr Dr. Th. Abel , Herr Dr. U. Fegeler, Herr Prof. G. Gaedicke, Frau Prof. A. Grüters, Frau Dr. E. Jäger-Roman, Frau Dr. E. Mildenberger, Herr Prof. H. Siemes, Herr Dr. W. Singendonk

Es ist die unverzichtbare Aufgabe der Kinderärzte, Wachstum und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu begleiten, Gesundheitsstörungen zu verhüten oder frühzeitig zu erkennen und im Falle der Krankheit eine dem Entwicklungsstand der Kinder angemessene, medizinisch fachkompetente und integrative Behandlung zu gewährleisten. In jeder Entwicklungsstufe des Kindes treten besondere altersgebundene Störungen und Krankheitsbilder auf. In den Fächern der Erwachsenenheilkunde fehlen die Kenntnisse über die altersspezifischen Schädigungsmuster und Krankheitsgruppen fast völlig. Da die zur Behandlung der Kinder erforderlichen umfassenden Kenntnisse und Fertigkeiten nur in der Weiterbildung zum Kinderarzt vermittelt werden, ist der Beruf des Pädiaters auch in der Zukunft unverzichtbar.

Demographische Entwicklung in Berlin
 
Der Bedarf an pädiatrischer Versorgung ist direkt abhängig von der Geburtenziffer und der Zahl der zu versorgenden Kinder. In Deutschland wird ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehntes mit einem erheblichen Rückgang der Geburtenziffer (bis 30%) gerechnet, da  die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter kontinuierlich ohne absehbare Änderungstendenz absinkt. Die Geburtenziffer in Berlin liegt seit längerem deutlich unter der Gesamtdeutschlands, beispielsweise betrug 1996 in Berlin die Zahl der Lebendgeborenen 8,6 pro 1000 Einwohner, in Deutschland noch 9,7. Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie wird prognostiziert, dass sich die bisher vergleichsweise besonders niedrige Geburtenziffer von Berlin-Ost bis zum Jahr 2010 immer mehr an die von Berlin-West angleichen wird und dass die Geburtenziffer für Gesamtberlin im Laufe des nächsten Jahrzehnts in etwa gleich bleiben wird. Die Altersgruppe der bis 15 Jahre alten Kinder machte in den letzten Jahren in Berlin etwa 15% der Bevölkerung aus (1996 etwa 500 000). Die Zahl der Kinder wird wahrscheinlich durch die fortlaufende Abwanderung gerade der Familien mit Kindern aus Berlin in das Umland bis zum Jahre 2010 um ca. 10% abnehmen.

These 1 Die Kinderheilkunde bleibt trotz erheblicher Änderung der Inhalte als integriertes Diagnose- und Behandlungskonzept unverzichtbar.
 
These 2 Prävention, Früherkennung und Sicherstellung der Behandlung psychosozialer Störungen sind wichtige zukünftige Aufgaben der Kinderheilkunde.
 
These 3 Die niedergelassenen Pädiater werden auch in Zukunft Hausärzte der Kinder bleiben. Wirtschaftlichkeit, Effektivität und Erreichbarkeit von Kinderarztpraxen erfordern aber neue Organisationsstrukturen.
 
These 4 Der Aufgabe der Universitätskinderkliniken als integrierte Einrichtungen von Forschung, Lehre und Krankenversorgung muss durch Größe, Personalstruktur und Finanzierung Rechnung getragen werden.
 
These 5 Durch Strukturwandel und Kostendruck ist der Fortbestand vieler Kinderkliniken gefährdet, neue Organisationsformen müssen gefunden werden. Die stationäre Behandlung von Kindern in Kliniken für Erwachsene ist nicht akzeptabel.
 
These 6 Die Sozialpädiatrie als ein essentielles, übergreifendes Element der Kinderheilkunde sollte einen höheren Stellenwert in Lehre und Forschung bekommen. Für Berlin erscheinen 3 bis 4 überregionale Sozialpädiatrische Zentren als ausreichend.
 
These 7 Der Öffentliche Gesundheitsdienst soll auch in der Zukunft Aufgaben des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsfürsorge erfüllen und vor allem in aufsuchender und nachgehender Tätigkeit einen Mindeststandard an gesundheitlicher Versorgung garantieren.
 
These 8 Im Medizinstudium müssen Ziele und Ausbildungskatalog den Erfordernissen einer modernen Pädiatrie angepasst werden.
 
These 9 Auf Grund der veränderten Inhalte der modernen Kinderheilkunde muss die Weiterbildung der Kinderärzte reformiert werden. Nach dem Erwerb des Facharztes ist eine kontinuierliche berufliche Fortbildung mit wirksamer Erfolgskontrolle notwendig.
 
These 10 Die strenge Auftrennung der pädiatrischen Versorgung in stationär und ambulant muss überwunden werden. Integrierte ambulant-stationäre Versorgungssysteme sollten erprobt werden.
 

Es handelt sich um eine gekürzte Fassung, die ausführliche kann angefordert werden bei:

Christa Werner
Sekretariat
Berliner Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Rudower Straße 48
12351 Berlin
Tel.:
Fax:
(030) 130 14 8269
(030) 130 14 8364